Breite Solidarität für Studierende: Corona-Nothilfe sammelt rund 130.000 Euro

Gut 130.000 Euro für Studierende der Friedrich-Schiller-Universität Jena sind inzwischen an Spenden beim Corona-Notfonds eingegangen, den die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Universität Jena ins Leben gerufen hat. Ziel der Aktion ist es, Studentinnen und Studenten, die hart von der Coronakrise getroffen sind, unbürokratisch zu helfen. Etwa jenen, die ihren Nebenjob nicht mehr ausüben können oder auch jenen, deren Eltern nicht unterstützen können, weil sie als Folge der Pandemie selbst in eine Notlage geraten sind. Besonders internationale Studierende und Studierende mit Kind machen unter diesen Umständen eine schwere Zeit durch. Die finanzielle Unterstützung aus dem Corona-Notfonds ist für viele von ihnen eine Entlastung. Noch vor den Osterfeiertagen erhielten die ersten in Not geratenen Studierenden Soforthilfen in Höhe von 450 Euro.

Das zunächst gesteckte Spendenziel von 50.000 Euro war nach nur wenigen Tagen erreicht. „Wir haben auf große Solidarität gehofft, waren aber vom Ausmaß und von der Schnelligkeit der Spenden überrascht,“ sagt Uni-Präsident Walter Rosenthal, der zu den Initiatoren des Nothilfefonds gehört und wie viele andere selbst gespendet hat. Inzwischen sind rund 130.000 Euro zusammengekommen. „Ich danke allen Spenderinnen und Spendern im Namen unserer Studierenden“, so Rosenthal, der hofft, dass noch weitere Spenden eingehen, um alle Anträge von Studierenden in Notsituationen bewilligen zu können.

Die bisherigen Spenderinnen und Spender kommen aus allen Teilen der Gesellschaft. Ihre Motivation, den Nothilfefonds zu unterstützen, ist unterschiedlich, zeigt aber, welche starke Verbundenheit mit Jenas Studierenden und der Friedrich-Schiller-Universität besteht. Die erste Spende steuerte der Jenaer Chemiker Prof. Dr. Ulrich S. Schubert bei. Er sagt: „Dies ist eine wichtige Initiative der Freunde und Förderer, die ich aus vollster Überzeugung unterstütze.“

Etwas zurückgeben wollen

Unter den Spendenden finden sich auch ehemalige Studierende aus dem Ausland wie Bradford Elder. Er studierte von 2006 bis 2011 Deutsch als Fremdsprache in Jena und arbeitete anschließend für die Deutsche Botschaft in Washington. „Das Wohlergehen der Universität und ihrer Studierenden ist mir persönlich wichtig“, sagt Elder. „Die Universität hat mir viel gegeben. Die Studienfreunde und die vielen schönen Erinnerungen prägen mich noch heute.“ Er habe die Spendenaktion unterstützt, weil er sich der Universität auch viele Jahre nach seinem Studium noch immer sehr verbunden fühlt.

Eine weitere großzügige Summe von einem Alumnus ging sogar um den halben Globus – die Spende von Tsann-ching Lo aus Taiwan. „Meine Spende ist wirklich nicht der Rede wert. Sie ist nur ein kleiner Beitrag zu dieser warmherzigen Aktion meiner Alma Mater“, findet der ehemalige Promovend der Interkulturellen Wirtschaftskommunikation, der mit seinem Doktorvater Prof. Dr. Jürgen Bolten noch immer in Kontakt steht.

Schnelle Hilfe für die Zukunft des Wissenschaftsstandorts Jena

Außerdem zeigen sich zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft solidarisch. Unter ihnen ist Anja Siegesmund. Die Thüringer Ministerin für Umwelt, Energie und Naturschutz studierte bis zum Jahr 2002 Politikwissenschaft, Germanistik und Psychologie an der Universität Jena, bevor sie in die Politik ging. An die Studierenden gerichtet sagt Siegesmund: „Jetzt ist alles anders, das normale Leben ist aus dem Takt. Als Studierende braucht Ihr deshalb genauso Unterstützung wie Firmen oder die Landwirtschaft. Durch Bund und Land – und durch die, die unserer Alma Mater weiterhin verbunden sind.“ Jena sei ein hervorragender Forschungs- und Wissenschaftsstandort, findet die Ministerin. Damit das so bleibe, brauche es kluge Köpfe. „Ihr seid die Zukunft dieser Stadt. Jetzt ist Zeit für mehr Solidarität. Deshalb beteilige ich mich gerne am Nothilfefonds“, richtet sie sich an die Studierenden.

Der Solidaritätsgedanke sowie die starke Verbundenheit zur Universität motivierten ebenfalls Prof. Dr. Michael Kaschke. Er ist ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Zeiss AG und zugleich einer der Erstspender des Corona-Notfonds. „Die Coronakrise stellt eine große Herausforderung für uns alle dar und die aktuelle Situation erfordert mehr denn je gesellschaftlichen Zusammenhalt und Solidarität“, erklärt Kaschke. „Als Alumnus der Universität Jena und ehemaliges Mitglied des Universitätsrates liegt mir die Verbindung zur Wissenschaft und der Universität sehr am Herzen. Daher unterstütze ich diese wichtige Aktion mit einer Spende.“

Mitarbeiter spendet Monatslohn

Nicht nur unter den Ehemaligen, sondern auch unter den aktuellen Mitarbeitenden der Universität ist die Spendenbereitschaft groß. Angestellte aus allen Bereichen, von den wissenschaftlichen Instituten bis zur Verwaltung, stehen mit ihren Spenden für die Studierenden ein. Zum Beispiel Prof. Dr. Jutta Hübner, die am Universitätsklinikum die Stiftungsprofessur für Integrative Onkologie der Stiftung Deutsche Krebshilfe innehat. Sie weiß aus ihrer täglichen Patientenberatung und aus ihrer Stiftung, dass viele Menschen jetzt in Not kommen. „Dass sogar unsere Studierenden betroffen sind, zeigt, wie tief die derzeitigen Entscheidungen in unser Leben eingreifen und vor allem die Schwachen weiter an den Rand drängen – dagegen müssen wir etwas tun!“, erklärt die Professorin. Ein Mitarbeiter aus der Universitätsverwaltung, der anonym bleiben möchte, spendete sogar ein ganzes Monatsgehalt. „Ich habe der Uni Jena viel zu verdanken und möchte etwas zurückgeben,“ teilte er der Universität mit.

Beim Corona-Notfonds sind bisher rund 500 Anträge gestellt worden. Den vielen Spenderinnen und Spendern ist es zu verdanken, dass mehr als 220 Anträge schon bewilligt werden konnten. Auch die Studentin Afia Adade Frimpong hat eine Zusage erhalten. Sie sagt: „Ich möchte der Friedrich-Schiller-Universität für diese großartige Initiative danken. Ich bin sehr dankbar für die Hilfe, die mir in diesen schwierigen Zeiten angeboten wurde.“ Täglich erreichen die Freunde und Förderer Schreiben von dankbaren Studierenden. So bekommen auch die Spenderinnen und Spender wieder etwas zurück.

Mehr Informationen zum Corona-Notfonds, zur Spende und zum Antrag auf Beihilfe gibt es auf der Website der Universität Jena.