Ohne Job durchs Studium?!

Über die Hälfte aller Studierenden in Deutschland hat einen Nebenjob im Studium. Während der Semesterferien arbeiten sogar fast zwei Drittel aller Studierenden, um sich etwas Geld dazuzuverdienen. Der Nebenjob (oft ein Minijob) leistet für viele einen wichtigen Beitrag zum ohnehin oft nicht üppigen Einkommen. Seit dem ersten Lockdown, ab Mitte März 2020, hat sich allerdings die Erwerbssituation von 40 Prozent der Studierenden, die neben ihrem Studium arbeiten, erheblich verschlechtert. Viele haben entweder ihren Job verloren, waren von Arbeitszeitreduzierung betroffen oder wurden unbezahlt freigestellt. Es kam erschwerend hinzu, dass sich bei rund einem Drittel aller Studierenden die Einkommenssituation der Eltern verschlechtert hat. Um die finanziellen Einbußen auszugleichen, griffen viele auf ihr Erspartes zurück oder versuchten, ihre Ausgaben zu reduzieren. Einige sind zu ihren Eltern bzw. in ihren Heimatort zurückgezogen, andere wiederum haben einen KfW-Studienkredit beantragt oder haben von dem Angebot der staatlichen Überbrückungshilfen Gebrauch gemacht.

Insbesondere internationale Studierende berichten von einer verschlechterten Einkommenssituation im Zuge der Corona-Pandemie. Bei ihnen hat sich sowohl der Verdienst der Eltern im Ausland verschlechtert, als auch die eigenen Möglichkeiten, neben dem Studium hier in Deutschland Geld dazuzuverdienen. Aus diesem Grund hat unsere Universität im April 2020 als Folge des ersten Lockdowns einen Notfonds eingerichtet. Damit konnte die Uni gemeinsam mit über eintausend Spenderinnen und Spendern mehr als 375 Studierenden aus 50 Nationen in der Corona-Krise helfen.

Welche Jobs sind für Studierende eigentlich interessant?

Studierende dürfen unterhalb des Semsters bis zu 20 Stunden pro Woche arbeiten. Was es generell zu beachten gilt, wenn sie einer Nebentätigkeiten während und außerhalb des Semsters nachgehen, hat die Verbraucherzentrale zusammengefasst. Zur Statistik: Die Mehrheit aller Studierenden ist als wissenschaftliche Hilfskraft angestellt. Daneben sind es oft Jobs wie Babysitten, Putzen, Kellnern oder Verkaufstätigkeiten im Einzelhandel, die von Studierenden übernommen werden. Auch im Messe- und Eventbereich gab es für Studierende viele Möglichkeiten des Zuverdienstes. Doch das gehört der Vergangenheit an –  seit den ersten Lockdown-Maßnahmen sind insbesondere diese Tätigkeiten überproportional stark eingebrochen, weil sie entweder in der Gastronomie, in der Veranstaltungsbranche und im stationären Einzelhandel angesiedelt sind, oder aufgrund der Kontaktsperre nicht mehr ausgeübt werden dürfen.

Wie ist die Situation in Jena?

In Thüringen quält viele Unternehmen die Existenzangst – vor allen Dingen das Hotel- und Gastgewerbe sowie der Tourismus wissen nicht mehr weiter. Das spüren natürlich auch die Studierenden in Jena, die wie viele Studierende in ganz Deutschland gerade in diesen Branchen oft neben dem Studium tätig waren. 

Nils, 24 Jahre alt, studiert an unserer Universität Sportwissenscchaften und sollte eigentlich hinter dem Tresen der Garten-Bar des DAHEME stehen. Doch durch den Lockdown ist das gesamte Wirtshaus geschlossen und er musste sich nach einem neuen Job umsehen.

Das Bild dient dem Zweck den ursprünglich angedachten Arbeitsplatz des Studierenden zu zeigen.
Da|he|me: [Dahe:me] (Subst.) Thüringisch für »Zuhause«; Wohnung oder Ort, an dem jemand zu Hause ist
(und sich wohlfühlt). Aufnahme vom Sommer 2020, Foto: Tina Peissker
Nils, 24 Jahre, studiert Sportwissenschaften an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und hat gerade seinen Bachelorabschluss gemacht.

Jetzt befüllt Nils die Regale eines Supermarktes, aber viel lieber würde er in der Bar arbeiten und Cocktails mixen, erzählt er uns. Auf unsere Frage, wie er den neuen Nebenjob gefunden hat, antwortet Nils, dass er potentielle Arbeitgeber oft direkt anspricht und ihnen seinen Lebenslauf gibt oder anbietet, zur Probe zu arbeiten. Damit hat er in Jena positive Erfahrungen gesammelt. Nils hatte Glück im Unglück.

Neue Jobs – aber wo?

Viele Jobs sind weggebrochen, andere wiederum sind dazu gekommen – das ist die gute Nachricht. Supermarktketten, Soziale Dienste und Lieferanten suchen händeringend studentische Aushilfen an der Kasse, in der Betreuung oder als Fahrerinnen oder Fahrer. Die Gesundheitsämter in Thüringen suchen aktuell Studierende für die Kontaktnachverfolgung von Covid-19-Infektionen. Das Studierendenwerk Thüringen unterstützt die Behörden in der Vermittlung und Koordination. Interessierte melden sich am besten bei INFOtake Weimar, Marienstraße 15a, EG in 99423 Weimar (Öffnungszeiten: Mo – Do: 10:00 – 15:00 Uhr und Fr: 10:00 – 14:00 Uhr // Tel.: 03643 58 15 06 // e-Mail: infotake-weimar@stw-thueringen.de).  Es gibt viele Möglichkeiten nach Jobs zu suchen und einen geeigneten zu finden. Wer nicht wie Nils potentielle Arbeitgeber direkt ansprechen möchte, kann nach Ausschreibungen und Jobangeboten für Studierende auch auf den Internetseiten der Universität recherchieren.

Der Career Point unserer Universität beispielsweise bietet für Studierende interessante Jobangebote – von Ausschreibungen für wissenschaftlichen Tätigkeiten bis hin zu Angeboten von Firmen für Abschlussarbeiten. Auch der Jobmarkt des Studierendenwerkes ist für Studierende eine interessante Anlaufstelle. Alle Stellenangebote der Universität werden offiziell hier veröffentlicht und die Stellenangebote des Universitätsklinikums sind hier zu finden. Natürlich gibt es noch viele andere Jobbörsen, die sich speziell an Studierende richten: JobMensa oder die Mini-Job-Zentrale. Aber auch die Agentur für Arbeit, die Stellenbörse der Thüringer Agentur für die Gewinnung von Fachkräften und das städtische Stellenportal von „Jena Wirtschaft“ bieten einige attraktive Vorschläge für Studierende.